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@MonirehKazemi: Das rote Gebet
Die jüngsten Nachrichten aus Frankreich haben in mir eine längst vergangene Epoche wachgerufen und die Erinnerung an ein Ereignis zurückgebracht, das ich damals gebannt in den Medien verfolgt hatte.
Es war im Herbst 1977, etwa ein Jahr bevor Ruhollah Chomeini sein Exil vom Irak nach Frankreich verlegte. Damals sah ich Bilder, die mich tief bewegten: In der Pariser Kirche Saint-Merri war eine ungewöhnliche Allianz aus islamistischen und marxistischen Revolutionären zusammengekommen. Eine Woche lang hielten sie ein Sit-in ab und traten in den Hungerstreik, um ihren Protest gegen den Schah, für „Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit“, in die Welt zu tragen. Auch Palästina war damals ein ebenso wichtiges Thema wie der Iran. Den Berichten zufolge hatte Mohammad Montazeri die Aktion organisiert, der Sohn von Ayatollah Montazeri und ein enger Vertrauter Chomeinis. Ihm gelang es, die iranisch-marxistischen Studentengruppen in Europa zu mobilisieren und die beiden Oppositionskräfte, die den Sturz des Schahs betrieben, zu einer geschlossenen Front zu vereinen.
Besonders ein Bild brannte sich mir ein: Um ihre Identität zu schützen, trugen die Protestierenden rote Masken. Dieses eindringliche Schauspiel gab der Aktion ihren bleibenden Namen: „Das rote Gebet“ (نماز سرخ). Für mich bleibt sie bis heute ein beklemmendes Sinnbild einer unheilvollen Allianz zwischen radikaler Linker und islamistischem Klerus. Es war eine opportunistische Zweckgemeinschaft, gerichtet gegen den Westen und seine Errungenschaften, nicht zuletzt gegen das selbstbestimmte Leben der Frauen, und sie ebnete schließlich den Weg für die Islamische Revolution von 1979.
Obwohl beide Lager im Schah ihren gemeinsamen Feind sahen, erwies sich das Bündnis, wie von vielen befürchtet, als tragisch kurzlebig. Nach dem Umsturz erlebten wir im Iran, wie sich das Regime Chomeinis mit beispielloser Brutalität gegen seine einstigen marxistischen Verbündeten wandte. Islamisten nutzen stets die Plattformen und Netzwerke anderer gesellschaftlicher Bewegungen, um ihre Ziele zu erreichen, und vernichten diese Bewegungen dann als Erste. Die Meldungen über Verhaftungen, die erzwungene Emigration Tausender und vor allem die systematischen Massenhinrichtungen im Sommer 1988 machten mich fassungslos.
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Wenn ich heute auf diese Schlagzeilen zurückblicke, drängt sich mir dieselbe quälende Frage auf, die mich mein Leben lang begleitet: Warum vermag der Mensch nicht aus der Geschichte zu lernen? Warum müssen wir immer wieder die bitteren Erfahrungen am eigenen Leib machen, die andere Völker längst schmerzvoll durchlitten haben?