
Donald Trump verteuert Audi mit seinen Importzöllen das amerikanische Geschäft, und ausgerechnet Audi-Chef Gernot Döllner stellt sich zehn Tage vor den Zwischenwahlen auf dessen Wahlkampfbühne, um eine geplante Fabrik für vier Milliarden Dollar anzukündigen. Trump darf seine Zollpolitik als wirtschaftlichen Erfolg feiern, obwohl die zuständigen VW-Gremien dem Projekt noch gar nicht endgültig zugestimmt haben.
Man kann sich als deutscher Vorstandschef natürlich auch freiwillig zum Statisten einer amerikanischen Wahlkampfveranstaltung machen.
Interessant sind dabei vor allem Audis eigene Verkaufszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Auslieferungen in Deutschland um 4,2 Prozent auf 107.571 Fahrzeuge, im übrigen Europa um 5,8 Prozent auf 255.932. In China verlor Audi dagegen 19,3 Prozent und in Nordamerika ohne Mexiko sogar 16,7 Prozent.
Ausgerechnet in diesem schwächelnden nordamerikanischen Markt möchte Audi nun ein Werk für jährlich bis zu 200.000 große Premium-SUVs errichten. Im gesamten Jahr 2025 verkaufte der Konzern in den USA knapp 165.000 Fahrzeuge, und zwar über sämtliche Modellreihen hinweg.
Selbstverständlich kann man damit bisherige Importe ersetzen, zusätzliche Kunden gewinnen und neue Märkte beliefern. Mich würde allerdings interessieren, mit welchen Absatzprognosen Audi diese vier Milliarden Dollar rechtfertigt und welche Auslastung man Anfang der 2030er-Jahre erwartet. Schließlich hat der Konzern gerade in China erlebt, wie schnell sich ein vermeintlich sicherer Premiummarkt verändern kann.
Währenddessen sollen in Deutschland bis 2029 bis zu 7.500 Stellen im indirekten Bereich wegfallen, in Neckarsulm wird über weitere Einsparungen verhandelt. Audi plant zwar auch acht Milliarden Euro Investitionen in seine deutschen Standorte und hat die Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 verlängert, aber damit ist noch lange nicht geklärt, welche Modelle und Produktionsmengen die bestehenden Werke anschließend auslasten sollen.
Genau darüber verlangen die Arbeitnehmervertreter jetzt Auskunft, während Döllner das amerikanische Milliardenprojekt bereits auf Trumps Wahlkampfbühne präsentiert.
Und auch die angeblich so überlegene amerikanische Wirtschaftspolitik hat ihre Besonderheiten. Trump verteuert die Importe durch Zölle, Georgia bereitet mit öffentlichen Mitteln den Industriestandort vor und unterstützt die Ausbildung künftiger Beschäftigter. Anschließend wird die Entscheidung für eine amerikanische Fabrik als Erfolg dieser Politik gefeiert.
Ich habe nichts dagegen, dass Audi in den USA produziert. Mich stört, dass ein Vorstand seinen Beschäftigten in Deutschland erhebliche Einschnitte abverlangt, gleichzeitig Milliarden auf eine erhoffte Absatzsteigerung in Amerika setzt und dieses noch nicht endgültig beschlossene Projekt ausgerechnet einem Präsidenten für dessen Wahlkampf zur Verfügung stellt.
Vielleicht wird das neue Werk tatsächlich ein wirtschaftlicher Erfolg. Nur sollte Audi seinen Beschäftigten vorher erklären können, was diese Investition für die vorhandenen europäischen Werke bedeutet und wie sich die vier Milliarden Dollar langfristig rechnen sollen.
Trump hat seine Wahlkampfbilder bereits bekommen. Die wirtschaftliche Rechnung und die Antworten für die Beschäftigten stehen dagegen noch aus.